Die Zukunft des Drucks im digitalen Zeitalter
Story von Rebecca Pozzoli
Auch wenn Zeitungen und Zeitschriften in kleinerem Umfang gedruckt werden wie früher, werden Druckerzeugnisse nicht so schnell verschwinden. Die Druckbranche wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen, trotz Digitalisierung und zunehmender Verlagerung von Informationen ins Internet. Druckunternehmen, die sich an nachhaltige Praktiken und digitale Technologien anpassen und hochwertige, massgeschneiderte Printprodukte anbieten, werden gut positioniert sein, um in Zukunft erfolgreich zu bestehen.
Digitalisierung und Automatisierung schreiten voran
Selbst wenn traditionelle Printprodukte weiterhin ihren Stellenwert haben, wird sich die Branche auf neue Technologien und sich verändernde Marktbedürfnisse einstellen müssen. Der Digitaldruck zum Beispiel könnte an Bedeutung gewinnen, insbesondere für Kleinauflagen und personalisierte Drucksachen. Er bietet nicht nur eine höhere Flexibilität, sondern ist besonders effizient. Auch Hybrid Printing, womit verschiedene Druckverfahren miteinander kombiniert werden, ermöglicht selbst bei auflagenstarken Drucksachen eine Vielfalt an haptisch interessanten Oberflächen.
Parallel zur Digitalisierung schreitet auch die Automatisierung in der Produktion voran. Moderne Vorstufenprozesse, wie automatisierte Farb- und Qualitätskontrollen, ermöglichen eine schnellere und kostengünstigere Produktion. Zudem wird im Logistikbereich der Einsatz digitaler Lösungen die Effizienz weiter steigern und damit Ressourcen sparen.
Die Berufe der Druckindustrie werden vielfältiger
Zunehmende Automatisierung und Digitalisierung bedeutet nicht, dass es für die damit verbundenen Tätigkeiten keine Berufsleute mehr braucht. Zwar wird in der Druckindustrie eher eine Abnahme der Beschäftigten erwartet, doch die betroffenen Berufe gehören nicht zu den am meisten bedrohten Arbeitsstellen. Wer sich auf die modernen Veränderungen einstellen kann und sich entsprechend weiterbildet, verfügt irgendwann über ein spezifisches Fachwissen, das dennoch gefragt sein wird. Als angehende/r Medientechnologe/-in EFZ, Bindetechnologe/-in EFZ, Druckausrüster/in EFZ, Verpackungsdrucker/in EFZ oder Verpackungstechnologe/-in EFZ sollte man daher nicht zögern, wenn es der Wunschberuf ist, diesen zu ergreifen. Ausserdem kann man in der Druckindustrie auch einen anderen Beruf ausüben, so zum Beispiel als Polygraf/in EFZ, Fachmann/-frau Betriebsunterhalt EFZ oder Logistiker/in EFZ.
Im Vergleich zu früher ist die Arbeitswelt ohnehin dynamischer geworden, was heisst, dass sich viele Berufsleute ein zusätzliches Wissen aneignen. So kann sich eine Fachperson der Druckbranche bspw. in Richtung Informatik oder Automation spezialisieren.
Umweltfreundliche Lösungen sind gefragt
Auch die Frage der Nachhaltigkeit ist in der Druckindustrie ein drängendes Thema. Die Unternehmen sind gefordert, ihre Umweltbilanz zu verbessern – insbesondere in Bezug auf den Papierverbrauch, die Energieeffizienz und das Abfallmanagement. Hier geht der Trend eindeutig in Richtung recycelter Materialien, biologisch abbaubarer Druckfarben und energiesparender Drucktechnologien. Besonders im Verpackungsdruck, aber auch in der Werbetechnik wächst das Bewusstsein für umweltfreundliche Lösungen. Die Nachfrage nach intelligenten Verpackungen, die weniger Material verbrauchen und einfacher zu recyceln sind, nimmt zu. Auch innovative Drucktechniken, wie zum Beispiel der UV-Druck, der ohne Lösungsmittel auskommt und keine VOC-Emissionen freisetzt, hat hier gute Chancen.
Personalisierter Druck und Multichannel-Marketing
Die Digitalisierung hat somit auch für die Druckbranche ihre Vorteile. So können durch die Integration digitaler Technologien Printprodukte immer besser personalisiert werden. Online-Shops und Print-on-Demand-Anbieter verzeichnen grössere Nachfragen nach kleineren Auflagen und personalisierten Produkten. Dies betrifft nicht nur Marketingmassnahmen, sondern auch Verpackungen und Werbemittel. Die Anpassung von Inhalten an individuelle Bedürfnisse wird in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Hinzu kommt der Einfluss des 3D-Drucks, der in Nischenbereichen der Branche angewendet werden könnte – insbesondere bei der Herstellung von Prototypen oder massgeschneiderter Werbeartikel.
Darüber hinaus wird Cross-Media-Marketing immer wichtiger, da Unternehmen vermehrt digitale und gedruckte Kanäle kombinieren, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Gedruckte Materialien, wie Broschüren und Kataloge, ergänzen digitale Formate und schaffen somit ein umfassendes Markenerlebnis. Hierbei bieten QR-Codes eine ideale Brücke, um physische und digitale Medien zu verbinden.
Hochwertige Produkte und der Einfluss von KI
In einem von Digitalität dominierten Umfeld wird sich die Druckindustrie vermutlich vermehrt auf hochwertige und exklusive Produkte konzentrieren. Kunstbücher, limitierte Drucke oder Luxusverpackungen könnten dabei eine besonders attraktive Nische darstellen und Druckunternehmen Möglichkeiten bieten, sich durch Qualität und Individualität hervorzutun.
Ein weiterer wichtiger Faktor sind Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data, die bereits jetzt in der Druckindustrie eingesetzt werden, um Produktion und Marketing zu optimieren. Durch den Einsatz von KI können Druckdesigns durch Automatisierung optimiert und Vorab-Druckanalysen effizient durchgeführt werden. Datenanalysen werden zunehmend relevant, um Zielgruppen präzise anzusprechen – vor allem im Hinblick auf personalisierte Druckprodukte und crossmediale Kampagnen. Man muss sich ernsthaft fragen: Wenn wir uns sämtliche Drucksachen um uns herum wegdenken, ginge das überhaupt?
Quellen: xerox.com; printendo.de; nexaria.ch, chmediaprint.ch