Reportage

Gartenbau aus Leidenschaft

05.12.2023
von Rebecca Pozzoli
Gartenbau aus Leidenschaft: am Zukunftstag von Jardin Suisse ©Jardin Suisse

Am Zukunftstag wechseln Mädchen und Jungen die Seiten und erhalten praxisnah Einblicke in Berufe und Arbeitsbereiche, in denen ihr Geschlecht bisher untervertreten ist. JardinSuisse Aargau hat in diesem Rahmen zwölf interessierten Mädchen die Türen geöffnet und ihnen ermöglicht, den Garten- und Landschaftsbau in all seinen spannenden Facetten kennenzulernen.

Hochmotiviert treffen am Zukunftstag im November 2023 zwölf Mädchen im Bildungszentrum von JardinSuisse Aargau in Birr ein, um alles über den Beruf Gärtnerin EFZ mit Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau zu erfahren. Natürlich ist der einen oder anderen auch etwas mulmig zumute, denn wenn frau an Garten- und Landschaftsbau denkt, kommen ihr schwere Verbundsteine, unwegsames Gelände und motorisierte Fahrzeuge und Geräte wie Bagger oder Kettensägen in den Sinn. Ob die Arbeit im Garten- und Landschaftsbau auch etwas für das sogenannt «schwache Geschlecht» ist, gilt es an diesem Tag herauszufinden. Linda und Priska, zwei engagierte Gärtnerinnen, begleiten die Mädchen auf diesem ereignisreichen Weg.

Baggerfahren am Zukunftstag Jarding Suisse ©Jardin Suisse

Mit Pflanzen arbeiten macht Spass

Wer sich Sorgen gemacht hat, sie könnte der Arbeit nicht gewachsen sein, kann aufatmen, denn Linda und Priska erklären jeden einzelnen Arbeitsschritt genau. Bewaffnet mit Schaufel, Besen, Kübel und Giesskanne geht’s gemeinsam ans Werk: Die Mädchen lockern die Erde in den Pflanzentrögen vor dem Bildungszentrum und setzen danach Wechselflorpflanzen wie Stiefmütterchen, Gänseblümchen oder Vergissmeinnicht. So macht das Bildungszentrum optisch schon von Weitem eine gute Falle. Zu Beginn sind die Mädchen noch sehr scheu, doch das verliert sich mit der Arbeit im Team ganz von selbst. Sie binden die Gräser im Vorgarten in Säulenform zusammen, um das sogenannte Herz der Pflanze vor der Kälte zu schützen. Ausserdem kürzen sie die Rosensträucher und jäten das Beet. Denn Priska ist es wichtig, dass die Gärten auch im Winter hübsch aussehen – nicht nur im Frühling und Sommer, wenn alles grünt und blüht. Die Mädchen lernen, wie Reben richtig eingekürzt werden. Linda meint dazu lachend: «Manch einer denkt, wir Gärtnerinnen und Gärtner machen im Winter einfach mal Pause… Das ist natürlich Quatsch! Im Winter schneiden wir Sträucher, Bäume und Stauden zurück und machen die Gärten bereit für den kommenden Frühling».

Nicht nur Kraft, auch Vorstellungsvermögen, Kreativität und Sorgfalt sind gefragt

Gärtner/innen im Garten- und Landschaftsbau verwirklichen anspruchsvolle Projekte für Privatgärten, funktionale Grossanlagen und öffentliche Objekte. Sie bauen Teiche, Mauern, Dachgärten und Terrassen, Treppenanlagen oder Sitzplätze. Linda und Priska zeigen den Mädchen, welche Schritte für den Bau einer Terrasse nötig sind. Erst schlagen sie Eisen ein, um den Bereich, wo die Verbundsteine später verlegt werden, zu markieren. Dann planieren sie den sandigen Untergrund. Das nimmt einige Zeit in Anspruch, denn hier ist Qualitätsarbeit gefragt. Schliesslich holen die Mädchen die Verbundsteine mit Garretten (Schubkarren) und verlegen sie in kreativen Mustern. Dafür braucht es zwar einiges an Körperkraft, denn die Steine sind ganz schön schwer, aber mit der richtigen Hebetechnik läuft es rund. Damit das verlegte Muster der Kundschaft gefällt und die Terrasse überzeugt, braucht es zudem Vorstellungsvermögen, Gestaltungsfreude und Sorgfalt. Auch auf dem Bagger machen die Mädchen eine gute Figur. Nach anfänglichen Hemmungen bedienen sie das Fahrzeug schon bald, als hätten sie noch nie etwas anderes getan. Mit etwas zusätzlicher Übung würden sie zu richtigen Meisterinnen.

Verlegen der Verbundsteine ©Jardin Suisse

Die Zukunft im Gartenbau sieht rosig aus

Linda erzählt, dass sie als Berufsbotschafterin für JardinSuisse aktiv sei, weil auch im Gartenbau Fachkräftemangel herrsche. Dem stimmt Lukas Borner zu, Leiter des Bildungszentrums in Birr und Geschäftsführer der Borner Gartengestaltung GmbH. Um den Beruf Gärtnerin EFZ mit Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau noch attraktiver zu machen und den Fachkräftemangel zu bekämpfen, seien Bildungsverordnung und Rahmenlehrplan umfassend überarbeitet worden. Borner führt aus: «Wir Gärtner/innen bewegen uns mehr und mehr weg von einer langen Pflanzenliste mit diversen deutschen und lateinischen Bezeichnungen, die Stück für Stück für die Abschlussprüfung auswendig gelernt werden muss, hinzu zum kompetenzorientierten Unterricht. Die Lernenden memorisieren die Pflanzen im Kontext verschiedener Standorte. Welche Pflanzen eignen sich beispielsweise besonders gut für einen Garten mit Südhang und trockenem Boden? Wenn die jungen Berufsleute dann später erneut an einen ähnlichen Standort kommen und sich für eine Bepflanzung entscheiden müssen, erinnern sie sich an das damals in diesem Kontext erworbene Wissen».

Dass diese Art und Weise zu lernen auf Anklang stösst, kann man bei den Mädchen am Zukunftstag deutlich sehen. Sie fanden das Gärtnern «mega cool», allerdings auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Wetter war garstig bei frostigen vier Grad und immer wieder Nieselregen. Doch trotz allen widrigen Umständen haben die Mädchen den ganzen Tag über motiviert mit angepackt. Sie haben mit Bravour ihre Wetterfestigkeit und ihren Durchhaltewillen unter Beweis gestellt und gezeigt, dass aus ihnen gute Gartenbauerinnen werden könnten. Ob es in Zukunft tatsächlich so kommt, wird sich zeigen. Bei JardinSuisse sind sie auf jeden Fall herzlich willkommen.

die Besucherinnen am Zukunftstag von Jardin Suisse ©Jardin Suisse

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