Neue Studie bestätigt: Wer Fähigkeiten objektiv misst, rekrutiert nachhaltiger

24.06.2026 von gateway.one

Eine Auswertung führender Bildungsökonomen auf der Datenbasis von gateway.one und unserem Multicheck® sowie Bildungsverlaufsdaten zeigt, wie objektive Eignungsdaten Fehlbesetzungen und Lehrabbrüche reduzieren können.

Worum es geht

Warum entscheiden sich junge Menschen für Berufe, die nicht zu ihren Fähigkeiten passen? Eine neue Studie von Dr. Daniel Goller, Dr. Enzo Brox und Prof. Dr. Stefan C. Wolter (Universität Bern, Swiss Leading House VPET-ECON) liefert dazu erstmals belastbare Antworten – auf einer Datengrundlage, die es so weltweit nicht gibt.

Die Forschenden konnten objektiv gemessene Fähigkeiten und die subjektive Selbsteinschätzung von über 25'000 Jugendlichen miteinander vergleichen. Möglich wurde das durch die Verknüpfung von standardisierten Multicheck® Eignungsanalysen mit administrativen Bildungs- und Arbeitsmarktdaten des Bundes. Im Zentrum steht ein Faktor, der in der Berufswahl bisher kaum systematisch beleuchtet wurde: wie gut – oder wie schlecht – junge Menschen ihre eigenen Kompetenzen einschätzen können.

 

Die zentralen Befunde

Erstens: Wer die eigenen Fähigkeiten weniger realistisch einschätzt, wählt deutlich häufiger einen Beruf, der nicht zum tatsächlichen Kompetenzprofil passt. Diese anfängliche Fehlpassung ist kein vorübergehendes Problem – sie zieht sich bis in den tatsächlich gewählten Lehrberuf durch.

Zweitens: Eine ungenaue Selbsteinschätzung erhöht das Risiko eines frühen Lehrabbruchs spürbar. Lehrverträge von Jugendlichen mit schlechterer Selbstkenntnis werden im ersten Jahr häufiger aufgelöst.

Drittens – und das ist für die Rekrutierung entscheidend: Rückmeldungen über die eigenen Kompetenzen helfen zwar, aber von sich aus passen nur wenige Jugendliche ihre Pläne an. Die Mehrheit hält trotz Hinweisen auf eine schlechte Passung an der ursprünglichen Wahl fest. Objektive Information allein verpufft also, wenn sie nicht zum richtigen Zeitpunkt und in verständlicher Form ankommt.

Zur Studie

Was das für Ausbildungsbetriebe bedeutet

Für Schweizer Betriebe, die im Rekrutierungsverfahren die Multicheck® Eignungsanalyse als Bestandteil einer Bewerbungsmappe einfordern, bestätigt die Studie den Kern ihres Vorgehens:

Eine objektive Standortbestimmung der Fähigkeiten schafft genau jene belastbare Grundlage, die Bewerbende sich selbst oft nicht geben können. Wo die Selbsteinschätzung trügt, liefert eine standardisierte Eignungsanalyse das fehlende, faktenbasierte Signal – für die Jugendlichen ebenso wie für den Lehretrieb.

Konkret heisst das: Wer bei der Auswahl der künftigen Lernenden auf objektive Eignungsdaten setzt, reduziert das Risiko einer Fehlbesetzung, die später zu Frustration auf beiden Seiten und im ungünstigsten Fall zur Vertragsauflösung führt. Eine gute Ausbildung beginnt mit einer gewissenhaften, objektiven Rekrutierung – evidenzbasiert statt zufallsorientiert.

Möchten Sie mehr über die wissenschaftlichen Hintergründe unserer Eignungsanalysen und deren Einsatz im Rekrutierungsprozess erfahren? Dann laden wir Sie herzlich zu unseren Infoveranstaltungen ein.

 

Der Anfang einer Reihe

Diese Studie ist das erste Ergebnis einer langfristig angelegten Datenkooperation. Dank des kontinuierlichen und anonymisierten Datenstroms von gateway.one an das Bundesamt für Statistik sind weitere Untersuchungen in Vorbereitung, die das Zusammenspiel von Eignung, Berufswahl und Ausbildungserfolg noch genauer beleuchten werden. Im Fokus steht die möglichst gute Passung einer Person zum gewählten Ausbildungsberuf.

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Das vollständige Working Paper «Imperfect Self-knowledge about Skills and Skill Mismatch» (Goller, Brox, Wolter, 2026) ist als CESifo Working Paper Nr. 12740 erschienen.

Wissenschaftlich geprüftes Messinstrument

Dass die Multicheck® Eignungsanalyse verlässliche und objektive Ergebnisse liefert, wurde in einer psychometrischen Studie von Beauducel, Bruntsch und Kersting untersucht. Die Testbatterie wurde dabei auf Basis von Daten von 4'677 Teilnehmenden analysiert. Das Ergebnis: Die Aufgaben des Multicheck® lassen sich klar den etablierten Fähigkeitsdimensionen der modernen Intelligenzforschung zuordnen – von sprachlich-kristallinen Kompetenzen über schlussfolgerndes Denken bis zu Gedächtnis und Arbeitstempo.
 
Entscheidend für die Praxis: Der nachgewiesene Anteil allgemeiner kognitiver Fähigkeit spricht dafür, dass der Multicheck® eine ähnliche Vorhersagekraft besitzt wie jene etablierten Eignungstests, deren Nutzen für den Ausbildungs- und Berufserfolg durch grosse internationale Meta-Analysen abgesichert ist. Weil die Aufgaben zudem gemeinsam mit Fachleuten aus der Praxis und über systematische Anforderungsanalysen entwickelt wurden, bilden sie reale berufliche Anforderungen ab.
 
Für Ausbildungsbetriebe heisst das: Der Multicheck® misst nicht irgendetwas, sondern genau jene Fähigkeiten, die wissenschaftlich nachweisbar mit erfolgreichem Lernen und Arbeiten zusammenhängen – und er tut dies auf einem geprüften methodischen Fundament.
 
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