Der Weg zum neuen Multicheck® Wirtschaft und Administration

Der Multicheck® gehört zu den am meisten durchgeführten berufsbezogenen Eignungsanalysen der Schweiz. Dabei nimmt der Multicheck® Wirtschaft und Administraton einen Löwenanteil ein. Die Reform der kaufmännischen Grundbildungen hat einiges ins Rollen gebracht, wovon auch die etablierte Eignungsanalyse betroffen ist. Zwar werden unsere Diagnostikverfahren unabhängig davon in regelmässigen Abständen weiterentwickelt, die KV-Reform gab jedoch Anlass zu einer grösseren Überarbeitung. Auf dieser Projekt-Website halten wir Sie auf dem Laufenden.

Ausgangslage und Ziel

Die KV-Reform bringt einige Neuerungen mit sich, die auch die entsprechende Multicheck® Eignungsanalyse tangieren. Zusätzlich zum Kaufmann EFZ bzw. zur Kauffrau EFZ wurde die berufliche Grundbildung «Fachmann/-frau öffentlicher Verkehr EFZ» miteinbezogen und das Eignungsverfahren neu als «Multicheck® Wirtschaft und Administration» bezeichnet.

Der neue Multicheck® Wirtschaft und Administration musste somit nicht nur erweitert, sondern – unter Berücksichtigung zeitgemässer Veränderungen – auch an die neuen Anforderungen angepasst werden. Die inhaltlichen Anpassungen werden pünktlich zur Rekrutierungsperiode 2022/2023 umgesetzt sein.

Workshops, Interviews und Projektgruppe

Von Mitte bis Ende März 2021 sind 46 Expertinnen und Experten der kaufmännischen Berufsbildung in mehreren Online-Workshops mit uns zusammengekommen, um über die KV-Reform und die Integration der revidierten Grundbildung Kaufmann/-frau EFZ in die Multicheck® Eignungsanalyse zu diskutieren. Anschliessend wurden weitere Experten-Interviews geführt und Arbeitsszenarien diskutiert, welche dem durch die Neuerungen veränderten Anforderungsprofil vollumfänglich gerecht werden sollen.

Seither ist unser Diagnostik-Team mit Unterstützung des IT- und Design-Teams unablässig daran, den Multicheck® Wirtschaft und Administration den neusten, modernen Gegebenheiten entsprechend zu überarbeiten. Im Auftakt dieses umfangreichen Projektes hat sich einmal mehr herausgestellt, dass die involvierten Fachleute den Multicheck® als einen wichtigen Bestandteil der Bewerbungsmappe schätzen. Und so wurde speziell darauf geachtet, bisher Bewährtes beizubehalten.

So wurde das Projekt im Detail angegangen

Wie wir erfahren durften, liefert der Multicheck® für kaufmännische Berufe den ausbildenden Unternehmen wichtige Anhaltspunkte  zur Rekrutierung ihrer angehenden Lernenden. Das führte dazu, dass unsere Online-Workshops, zu denen wir im Frühling vergangenen Jahres eingeladen hatten, auf grosses Interesse stiessen. Daran teilgenommen haben Expertinnen und Experten der KV-Berufsbildung sowie Fachleute und Ausbildende aus den verschiedensten Branchen.

In jedem Workshop wurden gemeinsam Szenarien mit zehn bis zwölf typischen Situationen von KV-Lernenden entwickelt. Dazu zählt zum Beispiel der Kundenkontakt, die Teamarbeit, der Umgang mit Fehlern, Kritik und Konflikten oder wie man zwei Dinge auf einmal koordiniert und bewältigt. Bei der Ausarbeitung dieser Szenarien wurde zudem besonderen Wert gelegt auf Verantwortung, Flexibilität und Proaktivität.

Die neu entwickelten Inhalte wurden hinterher ins Test-System integriert und werden momentan mit ca. 300 Schülerinnen und Schülern erprobt. Als weitere Qualitätssicherung wird zudem getestet, wie die Schülerinnen und Schüler dabei abschneiden, was heisst, dass wir die Inhalte auch auf Verständlichkeit und Aussagekraft prüfen müssen. Aus dem Pool an Aufgaben, die bei der Erprobung mit den Jugendlichen evaluiert wurden, werden dann diejenigen mit den besten diagnostischen Kennwerten (Testgüte) ausgewählt.

Szenario Beispielaufgabe Multicheck Wirtschaft und Administration

Im Kern dasselbe, aber erweitert und modernisiert

Was ist neu bei den KV-Berufen? Einige Branchenbezeichnungen haben sich geändert, die Unterscheidung zwischen B- und E-Profil fällt weg und es gibt die zwei neuen Wahlpflichtbereiche «zweite Landessprache» oder «individuelle Projektarbeit». Die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Ansprüche unserer Dienstleistungsgesellschaft nehmen zu, was neue Kompetenzen und erhöhte Flexibilität erfordert.

Für den neuen Multicheck® Wirtschaft und Administration hat dies zur Folge, dass im Zertifikat eine generelle Eignung für den Beruf als Kaufmann/-frau EFZ ausgewiesen wird. Die kognitiven Fähigkeiten bleiben weiterhin zentral, der Multicheck® bleibt im Kern dasselbe Verfahren.

Zu den Fachkompetenzen (Schulsprache, Fremdsprachen und Mathematik) kommen bei den Methodenkompetenzen (Logik, Konzentration, vernetztes Denken etc.) jedoch neu die digitalen Kompetenzen hinzu. Und die Selbst- und Sozialkompetenzen stellen sogar einen eigenen Bereich dar. Die neuen Kompetenzen werden in der überarbeiteten Eignungsanalyse anhand von Szenarien, d.h. berufsrelevanten Situationen erfasst.

Neue Kompetenzen KV23
Die Neuerungen in den Kompetenzbereichen haben einen starken Anforderungsbezug zu den neuen Bildungsplänen.

Neue Schwerpunkte und Grundlagen der Szenarien

Drei konkrete Situationen wurden besonders oft genannt und bilden daher die Grundlage für die Szenarien, welche weiterentwickelt wurden:

  1. Die Planung und Organisation (Gesamtüberblick wahren, Information der Beteiligten, Termine setzen und einhalten, Aufgaben priorisieren können)

  2. Der Umgang mit Arbeitskollegen/-kolleginnen und Vorgesetzten (Nachfragen bei Unsicherheiten, Umgang mit Rückmeldungen und Kritik, Lösungsvorschläge anstelle von Mängeln aufzeigen)

  3. Der Umgang mit Kundenanfragen (wissen, wie Kundenanfragen aufgenommen und ggf. weitergeleitet werden, Ruhe bewahren können)
Skizze Überblick KV23 Reform

Der Unterschied zwischen Selbst- und Sozialkompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen

Selbst- und Sozialkompetenzen in der Eignungsanalyse

Selbst- und Sozialkompetenzen werden als die Fähigkeit definiert, mit sich selbst, aber auch mit anderen einen positiven Umgang zu pflegen. Ermittelt werden sie anhand von praxisorientierten Szenarien. Dadurch kann das Verhalten von Jugendlichen in berufsrelevanten Situationen erfasst werden – in diesem Fall im Berufsalltag der Wirtschaft, Verwaltung und Administration.

Diese Szenarien sind Simulationen von realen Arbeitssituationen. Dabei gibt es Verhaltensweisen, die angemessener sind und solche, die weniger angebracht erscheinen. Diese Methode der Situationsbeurteilung (engl. Situational Judgement Test) wird vor allem in der Eignungsdiagnostik angewendet. Die Szenarien werden durch Videos, in bildhafter Form oder schriftlich dargestellt, die Antwortmöglichkeiten erfolgen meist im Multiple-Choice-Verfahren.

Beispiel einer Aufgabe

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihr Berufsbildner kritisiert ihre Leistung. Sie meinen jedoch, dass diese Kritik nicht gerechtfertigt ist. Wie sollten Sie sich in dieser Situation am besten verhalten?

  1. Ich beschwere mich bei einer Arbeitskollegin über den Berufsbildner.
  2. Ich benachrichtige den kaufmännischen Verband.
  3. Ich nehme die Kritik an und versuche, meine Leistung zu verbessern.
  4. Ich benachrichtige den Vorgesetzten meines Berufsbildners.
  5. Ich versuche, mit meinem Berufsbildner meine Fehler sachlich zu klären.

Persönlichkeitsmerkmale als Verhaltenshinweise

Auch bei den Persönlichkeitsanalysen wird das Verhalten in konkreten leistungs- und berufsbezogenen Situationen erfragt. Doch im Gegensatz zu erworbenen Kompetenzen sind Persönlichkeitsmerkmale persönliche Eigenschaften und können nicht nach Richtig- oder Unrichtigkeit beurteilt werden. Bei der entsprechenden Analyse handelt es sich um ein Fragebogenverfahren mittels Selbsteinschätzung. Dieses beruht auf sechs Persönlichkeitsmerkmalen: Gewissenhaftigkeit, Lernwille, emotionale Stärke, Kontaktbereitschaft, Bereitschaft zur Teamarbeit und Durchhaltevermögen. Je nach Arbeitsstelle können unterschiedliche Anforderungen und Persönlichkeitseigenschaften relevant sein. Solche Verfahren können helfen, den Grad ihrer Ausprägung festzustellen.

Sie möchten mehr über das Thema Persönlichkeit erfahren? Gerne verweisen wir in diesem Fall auf unsere berufsbezogene und wissenschaftlich validierte Persönlichkeitsanalyse IdentyFi®.

Musterzertifikat Multicheck® Wirtschaft und Administration

Grundsätzlich hat sich das Zertifikat der neuen Generation für den Multicheck® Wirtschaft und Administration vereinfacht. Das liegt hauptsächlich daran, dass die B- und E-Profile weggefallen sind. Da im Anforderungsprofil zwei neue Kompetenzen dazu genommen wurden, bot die Überarbeitung gleichzeitig die Gelegenheit, die Auswertung etwas schlanker zu gestalten. Sie können ein Muster-Zertifikat des neuen Multicheck® Wirtschaft und Administration hier herunterladen.

Hier geht es zur Erhebung der Anforderungen.

Der Projektfahrplan und in welcher Phase wir uns befinden

 

✓ Januar 2021:
Startphase, in der alle Informationen zur KV-Revision eingeholt wurden

✓ Februar 2021:
Erarbeitung eines Fragenkatalogs für einen ersten Workshop mit Bildungsverantwortlichen

✓ März 2021:
Workshop mit Expertinnen und Experten der KV-Berufsbildung

✓ April–Oktober 2021:
Entwicklung der Aufgabeninhalte Selbst- und Sozialkompetenzen sowie Digitale Kompetenzen

✓ November 2021:
Tests der neu entwickelten Szenarien mit Lernenden

✓ Januar bis Februar 2022:
Breite Testung der Aufgaben an Schulen und Unternehmen mit rund 300 Jugendlichen

✓ Mai 2022:
Normierung der Aufgaben. Dazu werden bis zu 500 Jugendliche, die eine Lehre als Kaufmann/-frau EFZ oder Fachmann/-frau öffentlicher Verkehr EFZ anstreben, die gesamte Analyse durchführen

✓ Juni 2022:
Finale Auswertung der neuen Eignungsanalyse Multicheck® Wirtschaft und Administration

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