Commitment zu Berufswahlprozess und Lehrstellenbesetzung
22.04.2026 von gateway.one
Das Commitment zur Berufswahl und Lehrstellenbesetzung sieht vor, dass offene Lehrstellen frühestens im August vor Lehrbeginn ausgeschrieben und Lehrverträge nicht mehr als ein Jahr im Voraus abgeschlossen werden. gateway.one steht hinter diesem Grundsatz – aus Überzeugung und gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse.
In vielen Regionen und Branchen hat sich der Wettbewerb um geeignete Lernende in den letzten Jahren deutlich intensiviert. Dass Ausbildungsbetriebe unter diesen Rahmenbedingungen frühzeitig rekrutieren, ist nachvollziehbar – und bestätigt sich auch im Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden. Umso wichtiger ist es, den Blick auf jene Erkenntnisse zu richten, welche die eignungsdiagnostische und bildungswissenschaftliche Forschung zum optimalen Zeitpunkt von Rekrutierungsentscheiden liefert.
Der Grundsatz des Commitment zum Berufswahlprozess und zur Lehrstellenbesetzung lautet:
«Offene Lehrstellen sollen frühestens im August des Jahres vor Lehrbeginn zur Bewerbung ausgeschrieben und Lehrverträge frühestens ein Jahr vor Lehrbeginn abgeschlossen werden.»
Wir von gateway.one stehen hinter diesem Commitment – nicht nur aus Überzeugung, sondern auf Basis empirischer Evidenz und aus eigener Erfahrung als Ausbildungsbetrieb.
Ausschreibung zur Information und Ausschreibung zur Bewerbung – ein zentraler Unterschied
Das offizielle Commitment der Verbundpartner der Berufsbildung hält ausdrücklich fest: Werden Ausbildungsmöglichkeiten in Betrieben oder auf Plattformen fortlaufend oder frühzeitig kommuniziert, soll der Bewerbungsprozess für die offenen Lehrstellen erst ab dem 1. August des Vorjahres beginnen. Damit unterscheidet das Commitment klar zwischen zwei Ausschreibungsarten:
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Ausschreibung zur Information – jederzeit möglich und ausdrücklich erwünscht. Sie sorgt für Sichtbarkeit der Betriebe, liefert Orientierung zu Berufen und Anforderungen und ermöglicht Jugendlichen eine vertiefte Auseinandersetzung, ohne bereits einen Bewerbungs- oder Entscheidungsdruck auszulösen.
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Ausschreibung zur Bewerbung – ab 1. August des Jahres vor Lehrbeginn. Mit ihr startet der formelle Rekrutierungsprozess, in dem Bewerbungen entgegengenommen und ausgewertet werden.
Diese Unterscheidung ist für uns von zentraler Bedeutung – gateway.one hat sich im Vorfeld aktiv dafür eingesetzt, dass sie im Commitment verankert wurde. Denn sie schafft genau den Raum, in dem Betriebe frühzeitig präsent sein können, ohne den Bewerbungsdruck auf Jugendliche vorzuziehen. Analog dazu unterscheidet das Commitment zwischen Orientierungs-Schnupperlehren (Berufserkundung) und Bewerbungs-Schnupperlehren (im Rahmen der Rekrutierung) – zwei Formate mit unterschiedlichem Zweck und unterschiedlichem Zeitpunkt.
Entwicklungsdynamik: Warum der Zeitpunkt empirisch relevant ist
Jugendliche befinden sich während der Berufswahl in einer Phase beschleunigter kognitiver und sozial-emotionaler Entwicklung. Interessen, Selbstbild und das schulische Leistungsprofil können sich innerhalb weniger Monate spürbar verändern – eine in der Entwicklungspsychologie gut dokumentierte Dynamik. Entsprechend verliert eine früh erhobene Momentaufnahme schneller an Aussagekraft als vergleichbare Auswahldaten bei Erwachsenen. Studien zur prognostischen Validität eignungsdiagnostischer Verfahren zeigen konsistent: Je grösser der Abstand zwischen Erhebung und Ausbildungsbeginn, desto schwächer die Prognosekraft.
Berufsorientierung als Qualitätsfaktor
Eine fundierte Berufsorientierung ist kein Selbstzweck, sondern ein zentraler Prädiktor für späteren Ausbildungserfolg. Befunde der Schweizer Längsschnittforschung – insbesondere aus TREE (Transitions from Education to Employment) und dem DAB-Panel – zeigen, dass Jugendliche, die sich vertieft mit Berufsanforderungen auseinandersetzen konnten, stabilere Berufsentscheide treffen und seltener in Lehrabbrüche oder frühe Berufswechsel geraten. Schnupperlehren, Informationsanlässe, Interessenanalysen (z.B. WayFi®) und eignungsdiagnostische Abklärungen entfalten ihre Wirkung erst über einen angemessenen Zeitraum. Wird dieser Zeitraum verkürzt, basiert der Entscheid stärker auf Erwartungen des Umfelds als auf belastbaren Informationen.
Matching und Passung: Was ein angemessener Zeitpunkt bringt
Mit jedem Monat Abstand zwischen Auswahl und Lehrbeginn steigt die Unsicherheit, ob die getroffene Passung hält. Der Bildungsbericht Schweiz 2026 weist aus, dass rund ein Viertel der Lehrverträge vorzeitig aufgelöst wird – ein Hinweis auf ein strukturelles Matching-Problem, das nachweislich auch mit dem Rekrutierungszeitpunkt und der Qualität der vorangegangenen Berufsorientierung zusammenhängt. Auch im Erwachsenenbereich würde kaum ein Betrieb zwei Jahre vor Stellenantritt rekrutieren – aus denselben Gründen. Beim «richtigen Zeitpunkt» geht es also nicht um Restriktion, sondern um eine belastbare Grundlage für beide Seiten.
Information schafft Orientierung – ohne frühe Rekrutierung
Jugendliche profitieren davon, wenn Ausbildungsbetriebe frühzeitig transparent über Lehrstellen, Anforderungen, Erwartungen und den Berufsalltag informieren, ohne bereits Bewerbungen entgegenzunehmen. Ein präziser, realistischer Berufs- und Anforderungsbeschrieb gibt Orientierung und lässt genügend Zeit für eine sorgfältige Vorbereitung: schulische Voraussetzungen erfüllen, diagnostische Abklärungen wie den Multicheck® oder Basic Check® vornehmen und ein vollständiges Bewerbungsdossier aufbauen.
Das Commitment in der Praxis: Was Ihr Betrieb konkret tun kann
Früh informieren – ab August zur Bewerbung ausschreiben. Das ist der Kern des Commitments und zugleich der praktische Weg, sichtbar zu bleiben, ohne vorzeitigen Bewerbungsdruck zu erzeugen. Unternehmen mit einem Profil auf gateway.one haben die Möglichkeit, diese Unterscheidung direkt in der Ausschreibung ihrer Lehrstelle abzubilden – die technischen Voraussetzungen für die zeitpunktbezogene Ausschreibung stehen zur Verfügung. Kostenlose Instrumente wie unser Berufswahltest WayFi® sowie fundierte Berufsbeschreibungen – online oder im Lehrmittel Berufskompass® – helfen Jugendlichen, ihre Interessen einzuordnen und realistische Perspektiven zu entwickeln. So übernimmt gateway.one einen wichtigen Teil der Orientierungsarbeit für Ihren Betrieb: Wir bündeln aktuelles Praxiswissen, bereiten es strukturiert auf und machen es Jugendlichen zugänglich.
Grundlage dafür sind realistische Anforderungen direkt aus den Betrieben. Mit Ihrer Teilnahme am Anforderungssurvey tragen Sie zur Qualität dieser Inhalte bei – und stärken damit genau das, was Ihnen später bei der Rekrutierung zugutekommt: gut informierte, vorbereitete Bewerbende.